Was ist Melatonin und wie wirkt es?
Laut einer Erhebung des Robert Koch-Instituts leidet rund ein Drittel der erwachsenen Deutschen unter schlechtem Schlaf. Produkte mit dem so genannten „Schlafhormon“ Melatonin versprechen hier schnelle Hilfe.
Deshalb ist es für Experten wie Dr. Matthias Berger, Ärztlicher Leiter des Kompetenzzentrums für Schlafmedizin am Städtischen Klinikum Karlsruhe, auch keine Überraschung, dass sich Produkte mit Melatonin so gut verkaufen. „Wir sind eine Gesellschaft der Schlaflosen“, sagt er.
Wer regelmäßig schlecht schläft und ständig müde ist, weiß, wie zermürbend das sein kann. „Das macht den Reiz dieser Produkte aus“, sagt der Experte. „Es wird eine einfache Lösung für das sehr komplexe Thema Schlaf suggeriert. Die Präparate sind leicht zugänglich und relativ kostengünstig.“
Schlafforschende und Mediziner wie Dr. Matthias Berger zweifeln allerdings stark daran, dass diese Melatonin-Produkte wirklich als Einschlafhilfe funktionieren. Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, das in der Zirbeldrüse im Gehirn gebildet wird. Es sorgt dafür, dass die Körpertemperatur sinkt und der Energieverbrauch gedrosselt wird. Also dafür, dass wir müde werden. Das Hormon wird stark ausgeschüttet, wenn es dunkel wird.
Am Tag produziert der Körper bis zu zwölfmal weniger Melatonin als in der Nacht. Sobald das Auge mit Licht in Berührung kommt, wird die Produktion heruntergefahren. Melatonin als Schlafhormon zu bezeichnen, ist deshalb nicht ganz richtig. Es steuert viel mehr den Tag-Nacht-Rhythmus eines Menschen.
Der Gegenspieler von Melatonin ist das Hormon Cortisol. Das wird tagsüber ausgeschüttet und hält uns aufmerksam und wach. Deshalb wird es auch „Stresshormon“ genannt.