Unreine Haut, Mitesser und Pickel sind weit verbreitet und können das Selbstbewusstsein stark belasten. Besonders häufig tritt Akne in der Pubertät auf. Dabei sind Betroffene nicht selbst schuld an ihrer Hauterkrankung: Akne entsteht nicht durch mangelnde Hygiene. Mit einer abgestimmten Pflege und wirksamen Medikamenten lässt sie sich meist gut behandeln.
Was hilft gegen Pickel und Akne? Ursachen, Behandlung und Tipps
Pickel oder Akne? Ursachen und Unterschiede
Ein Pickel entsteht, wenn der Ausgang einer Talgdrüse verstopft und sich entzündet. Sammelt sich zunächst Talg im Haarfollikel, bildet sich ein Mitesser, medizinisch Komedo genannt. Offene Mitesser erscheinen als schwarze Punkte, sogenannte Blackheads. Die dunkle Farbe entsteht durch eine Reaktion des Hautfarbstoffs Melanin mit Sauerstoff und ist kein Schmutz. Geschlossene Mitesser, auch Whiteheads genannt, zeigen sich als kleine helle Erhebungen.
Einzelne Pickel treten gelegentlich auf und verschwinden meist nach kurzer Zeit. Akne ist dagegen eine Hauterkrankung, bei der sich über längere Zeit Mitesser, entzündete Papeln, Pusteln oder Knoten bilden. „Ein einzelner Pickel ist noch keine Akne. Akne entwickelt sich über längere Zeit: Zunächst treten häufig Mitesser auf, später können entzündliche Pickel und Pusteln hinzukommen. In der Pubertät spielen hormonelle Veränderungen dabei eine wichtige Rolle“, erklärt die Dermatologin Dr. Beate Schwarz aus Langenau. Akne betrifft vor allem Körperstellen mit vielen Talgdrüsen: Gesicht, Brust, Schultern und Rücken.
Laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) unterscheiden Fachleute leichte, mittelschwere und schwere Akne.
Bei einer leichten Akne dominieren Mitesser und vereinzelte Pickel. Mittelschwere Formen gehen mit zahlreichen entzündeten Papeln und Pusteln einher. Bei schwerer Akne entstehen zusätzlich tiefe, oft schmerzhafte Knoten, die Narben hinterlassen können. Wo die Akne auftritt, ist individuell verschieden. Bei Mädchen zeigt sich eine leichtere Form häufig zunächst an Stirn, Nase und Kinn, der sogenannten T-Zone. Bei Jungen können auch Wangen, Brust und Rücken stärker betroffen sein. Diese Muster sind jedoch keine festen Regeln.
An der Entstehung sind mehrere Prozesse beteiligt: Die Talgdrüsen produzieren vermehrt Hautfett, während ihr Ausgang gleichzeitig stärker verhornt. Der Talg kann nicht richtig abfließen und die Poren verstopfen. Im gestauten Talg vermehren sich unter anderem Bakterien der Art Cutibacterium acnes. Das Immunsystem reagiert darauf mit einer Entzündung.
Besonders in der Pubertät kurbeln Androgene die Talgproduktion an. Aber auch die erbliche Veranlagung, bestimmte Medikamente und Kosmetikprodukte können eine Rolle spielen. Zu häufiges Waschen, Reiben oder aggressive Pflege verursachen zwar keine Akne, können die Haut aber zusätzlich reizen.
Was hilft gegen Pickel und Akne?
Bei einem einzelnen Pickel gilt zunächst: möglichst nicht berühren. Ein Hydrokolloid-Pflaster kann die Stelle schützen und verhindern, dass sie unbewusst aufgekratzt wird. Bei Schwellungen kann ein sauberes, kurz aufgelegtes kühles Tuch angenehm sein. Eis sollte nie direkt auf die Haut gelangen.
Abdeckstifte oder Make-up können Rötungen kaschieren. Achten Sie auf die Bezeichnungen „nicht komedogen“ oder „für unreine Haut“. Solche Produkte sind so zusammengesetzt, dass sie die Entstehung von Mitessern möglichst nicht begünstigen. Leichte, mattierende Produkte werden häufig gut vertragen; sehr reichhaltige, stark abdeckende Produkte können bei manchen Menschen dagegen problematisch sein.
Reinigen Sie das Gesicht morgens und abends mit lauwarmem Wasser und einem milden, seifenfreien Produkt. „Der häufigste Fehler ist zu viel Pflege – und oft eine zu aggressive. Akne lässt sich nicht wegwaschen oder wegschrubben. Wer die Haut häufig reinigt, kräftig peelt, Bürsten benutzt oder stark alkoholhaltige Produkte aufträgt, kann sie zusätzlich reizen“, sagt Dr. Schwarz. Als Pflege eignen sich leichte Cremes, Lotionen oder Gele. Sonnenschutz sollte ebenfalls zum Hauttyp passen und möglichst nicht komedogen sein.
Wichtig ist, dass die Hautpflegeprodukte zum Hauttyp passen. Auch fettige Haut kann eine leichte Feuchtigkeitspflege benötigen. Bei trockener Haut stehen Feuchtigkeit und der Schutz der Hautbarriere im Vordergrund. Bei empfindlicher Haut kann eine einfache reizarme Pflege hilfreich ein. Entscheidend ist aber die individuelle Verträglichkeit und das Meiden bekannter oder vermuteter Auslöser. Eine geringe Zahl an Inhaltsstoffen garantiert keine bessere Verträglichkeit. Bei Mischhaut können fettige und trockene Partien unterschiedlich gepflegt werden.
Bei wenigen Mitessern und einzelnen kleinen Pickeln können geeignete Pflege und frei verkäufliche Aknemittel ausreichen. Entstehen viele entzündete Stellen, tiefe Knoten oder erste Narben, sollten Sie ärztlichen Rat suchen. Entscheidend ist aber nicht allein die Zahl der Pickel: „Ob eine Behandlung nötig ist, hängt nicht allein von der Zahl der Pickel ab. Bei tiefen Entzündungen oder beginnenden Narben sollten wir früh behandeln. Ebenso wichtig ist, wie sehr die Akne die betroffene Person belastet. Wenn sie unter ihrem Hautbild leidet und eine Therapie möchte, nehmen wir das ernst – auch bei einer äußerlich eher leichten Akne“, betont Dr. Schwarz.
Vermeiden Sie häufiges Berühren und Reiben der betroffenen Haut. Make-up-Pinsel und Schwämmchen sollten regelmäßig gereinigt werden. Eine stumpfe Rasierklinge kann die Haut reizen und eingewachsene Haare fördern. Verwenden Sie daher saubere, scharfe Klingen und rasieren Sie ohne starken Druck.
Bei mittelschwerer bis schwerer Akne können verschreibungspflichtige Medikamente notwendig sein, zum Beispiel bei einer systemischen Therapie. Diese wirkt im ganzen Körper. Dabei können Antibiotika wie Doxycyclin, das in der aktuellen AWMF-Leitlinie zur Aknebehandlung als systemisches Antibiotikum der ersten Wahl genannt wird, als Tabletten zum Einsatz kommen.
Sie werden in der Regel zeitlich begrenzt eingenommen und mit einer äußerlichen Behandlung kombiniert. Bei schweren Verläufen kommt auch Isotretinoin zum Einnehmen infrage. Bei diesem Mittel sind Nebenwirkungen bekannt. Bei Frauen muss eine gesicherte Empfängnisverhütung vorliegen und diese Therapie muss von Ärztinnen und Ärzten angesetzt, begleitet und kontrolliert werden.
Eine neuere Möglichkeit der äußerlichen Behandlung ist Clascoteron. Die verschreibungspflichtige Creme hemmt die Wirkung von Androgenen direkt in der Haut und kann so bei Akne eingesetzt werden. Ob sie im Einzelfall geeignet ist, besprechen Sie mit ihrer Hautärztin oder ihrem Hautarzt.
„Wir beginnen möglichst früh mit der Behandlung und kombinieren häufig verschiedene Wirkstoffe. Antibiotika setzen wir wegen möglicher Resistenzentwicklungen zurückhaltend ein. Bei der speziell veränderten Doxycyclin-40-mg-Dosierung steht aber die antientzündliche Wirkung im Vordergrund, die Dosierung ist unterhalb der antimikrobiellen Dosierung angelegt. Für niedrig dosiertes Minocyclin gibt es ebenfalls ermutigende Studien, bei der 40-mg-Dosierung in der retardierten Form. Dabei behandeln wir nicht nur die sichtbaren Hautveränderungen, sondern unterstützen mit passender Pflege auch die Hautbarriere. Mir ist wichtig, dass Patientinnen und Patienten verstehen, warum sie die Behandlung anwenden. So fällt es ihnen leichter, dabei zu bleiben, und ihre Lebensqualität kann sich verbessern“, sagt Dr. Schwarz.
Viele Aknepräparate werden auf die betroffenen Hautbereiche aufgetragen, nicht nur punktuell auf sichtbare Pickel. Sie sollen auch neuen Hautveränderungen vorbeugen. Wie ein Mittel anzuwenden ist, hängt vom Wirkstoff und der ärztlichen Empfehlung ab. Reizt es die Haut stark, sollten Betroffene nicht einfach mehr davon auftragen.
Dr. Schwarz erläutert: „Wenn eine Aknetherapie die Haut reizt, sollte niemand einfach immer mehr auftragen und die Rötung aushalten. Dann passen wir die Anwendung an: Das Präparat wird beispielsweise zunächst seltener aufgetragen, und die Haut erhält eine geeignete Feuchtigkeitspflege. Besonders bei empfindlicher Haut oder einer Neigung zu Ekzemen ist das wichtig.“
Hautpflege bei Pickeln und unreiner Haut
Viele Hausmittel werden als natürliche „Geheimwaffen“ gegen Pickel angepriesen. Für die meisten fehlen jedoch überzeugende wissenschaftliche Belege. Auch pflanzliche Mittel können die Haut reizen und Allergien auslösen.
Teebaumöl kann Kontaktallergien und Reizungen hervorrufen und sollte nicht unverdünnt auf die Haut aufgetragen werden. Heilerde nimmt Fett von der Hautoberfläche auf, behandelt aber nicht die Ursachen der Akne. Honig und Aloe vera werden hautberuhigende Eigenschaften zugeschrieben; für eine verlässliche Wirkung gegen Akne gibt es jedoch keine ausreichenden Belege. Selbst gemischte Masken mit Zimt können die Haut stark reizen.
Auch Kamille kann bei empfindlicher Haut oder einer Allergie gegen Korbblütler Reaktionen auslösen. Ein Dampfbad „öffnet“ oder desinfiziert die Poren nicht; zu heißer Dampf kann die Haut zusätzlich belasten. Zahnpasta, Zitronensaft, Backpulver, Natron, unverdünnter Apfelessig, Alkohol und ätherische Öle sind ebenfalls keine geeigneten Aknemittel. Sie können die Haut austrocknen oder reizen. Kortisonhaltige Cremes sind keine übliche Aknebehandlung und können das Hautbild verschlechtern und sogar selbst eine sogenannte Steroidakne auslösen.
Eine professionelle kosmetische Ausreinigung kann die Behandlung bei oberflächlichen Mitessern ergänzen. Dr. Schwarz ordnet ihren Nutzen ein: „Bei vielen oberflächlichen Mitessern kann ergänzend eine professionelle kosmetische Ausreinigung sinnvoll sein. Sie ersetzt die medizinische Behandlung nicht, kann aber vorhandene Mitesser entfernen. Von kräftigem Ausdrücken zu Hause rate ich ab – vor allem, wenn Hautveränderungen noch tief sitzen und sich nicht leicht entfernen lassen.“
Besonders tiefe Entzündungen sollten frühzeitig behandelt werden. „Am wichtigsten ist, tiefe und starke Entzündungen rechtzeitig zu behandeln. Sie erhöhen das Risiko, dass Narben zurückbleiben. Eine entstandene Narbe lässt sich später zwar häufig verbessern, aber meist nicht vollständig beseitigen. Deshalb sage ich bei schweren Verläufen deutlich: Jetzt sollten wir behandeln, bevor weitere Narben entstehen“, erklärt Dr. Schwarz.
Nach abgeheilten Entzündungen können dunkle Flecken entstehen, die besonders bei dunkleren Hauttypen auffallen und länger sichtbar bleiben. Sie sind keine Narben und können mit der Zeit verblassen; Sonnenlicht kann sie verstärken. Ein geeigneter Sonnenschutz ist deshalb sinnvoll.
Von diesen dunklen Flecken unterscheidet Schwarz weitere Spuren abgeheilter Pickel: „Nach entzündlichen Pickeln bleiben manchmal rötliche oder bläuliche Stellen zurück. Auch sie bilden sich häufig langsam zurück – mitunter dauert das mehrere Monate. Entscheidend ist, neue Entzündungen möglichst zu verhindern. Ob darüber hinaus eine Behandlung der Flecken sinnvoll ist, besprechen wir im Einzelfall.“
Hormonelle Akne: Ursachen und Behandlung
Androgene regen die Talgdrüsen an. Da ihre Produktion in der Pubertät bei allen Geschlechtern steigt, entwickeln viele Jugendliche zeitweise unreine Haut. Bei vielen bessert sich die Akne bis zum jungen Erwachsenenalter. Sie kann jedoch fortbestehen oder erst im Erwachsenenalter auftreten.
Bei erwachsenen Frauen verstärken sich die Beschwerden mitunter vor der Menstruation. Pickel zeigen sich häufig am Kinn, entlang des Kiefers und im unteren Gesicht. Das Erscheinungsbild allein beweist allerdings keine hormonelle Ursache. Auch nach dem Absetzen der Antibabypille kann eine zuvor unterdrückte Akne sichtbar werden. Während einer Schwangerschaft können hormonelle Schwankungen das Hautbild verändern; die Anwendung von Aknemitteln sollte dann ärztlich abgestimmt werden.
Tritt Akne zusammen mit unregelmäßigen oder ausbleibenden Monatsblutungen, verstärkter Körperbehaarung oder Haarausfall auf, kann eine hormonelle Abklärung sinnvoll sein. „Dahinter kann unter anderem ein polyzystisches Ovarialsyndrom, kurz PCOS, stecken. Dann reicht es nicht immer, allein die Haut zu behandeln; auch die zugrunde liegende Erkrankung muss berücksichtigt werden. Das bedeutet aber nicht, dass jede Frau mit Akne eine Hormonstörung hat oder grundsätzlich eine hormonelle Therapie benötigt“, betont Dr. Schwarz.
Die Behandlung richtet sich nach dem Hautbefund, der Belastung und möglichen Begleiterkrankungen. Manchen Betroffenen hilft eine äußerliche Therapie. In bestimmten Fällen kommen weitere Medikamente oder eine hormonelle Behandlung infrage, etwa wenn eine Frau ohnehin verhüten möchte und die medizinischen Voraussetzungen erfüllt sind.
Einige Antibabypillen können Akne lindern, sind wegen möglicher Nebenwirkungen und Thromboserisiken aber nicht für jede Frau geeignet. Auch bei Männern können schwere oder anhaltende Verläufe auftreten; die Therapie richtet sich nach der Ausprägung der Akne.
Wann sollte man mit Pickeln zum Hautarzt?
Eine ärztliche Untersuchung ist ratsam, wenn viele entzündete Pusteln, tiefe schmerzhafte Knoten oder großflächige Beschwerden an Gesicht, Brust oder Rücken auftreten. Das gilt auch, wenn sich das Hautbild trotz geeigneter Behandlung nicht bessert oder erste Narben entstehen. Dunkle Flecken nach Pickeln können ebenfalls Anlass sein, die Behandlung zu besprechen.
Je tiefer die Entzündung reicht, desto größer ist das Narbenrisiko. Auch die psychische Belastung spielt eine wichtige Rolle. Scham, sozialer Rückzug oder depressive Gedanken sind Gründe, sich Unterstützung zu suchen – unabhängig davon, wie ausgeprägt die Akne von außen wirkt.
Die Dermatologin oder der Dermatologe bestimmt Form und Schweregrad der Akne und stellt einen individuellen Behandlungsplan zusammen. Gerade bei Jugendlichen ist wichtig, sie selbst in die Entscheidung einzubeziehen. Dr. Schwarz beschreibt ihr Vorgehen so: „Gerade bei Jugendlichen spreche ich deshalb zuerst mit ihnen selbst: Stört dich die Akne? Wärst du bereit, eine Behandlung regelmäßig anzuwenden? Die Unterstützung der Eltern ist hilfreich. Damit die Therapie funktioniert, müssen die Jugendlichen aber verstehen, warum sie sie anwenden, und selbst mitmachen.“
FAQ
Darf man Pickel ausdrücken?
Pickel und Mitesser sollten möglichst nicht selbst ausgedrückt werden. Durch den Druck können Talg, Bakterien und Entzündungsstoffe tiefer ins Gewebe gelangen. Die Entzündung kann sich dadurch verstärken und länger anhalten, außerdem können Hautverletzungen, Pigmentflecken oder Narben entstehen. Mitesser können bei Bedarf professionell entfernt werden.
Welche Ernährung hilft bei Akne?
Eine spezielle Akne-Diät gibt es nicht. Eine ausgewogene Ernährung mit wenig stark zuckerhaltigen Getränken und schnell verwertbaren Kohlenhydraten könnte bei manchen Menschen hilfreich sein. Für pauschale Verbote von Milch, Schokolade oder anderen Lebensmitteln reicht die Studienlage nicht aus.
Wie schnell verschwinden Pickel?
Einzelne Pickel heilen häufig innerhalb weniger Tage ab. Bei einer Akne dauert es meist sechs bis zwölf Wochen, bis eine Behandlung deutliche Ergebnisse zeigt. Tiefe Entzündungen können länger bestehen.
Kann Stress Pickel verursachen?
Stress ist nicht die alleinige Ursache von Akne, kann bestehende Beschwerden aber verschlechtern. Ausreichender Schlaf, Bewegung und Entspannung können die Behandlung daher sinnvoll ergänzen.
Quellenangaben
- gesundheitsinformation.de: Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
- register.awmf.org: AWMF-Leitlinie zur Aknebehandlung